Finanzkrise: Five Years Later

Am „Schwarzen Montag“, dem 15. September 2008, meldete die Investmentbank Lehman Brothers nach vergeblichen Rettungsversuchen Insolvenz an. Die Konsequenzen fasst ein Kalenderblatt des WDR-Stichtag wie folgt zusammen:

Die von deutschen Einwanderern gegründete Bank bricht unter einer Schuldenlast von 630 Milliarden Dollar zusammen. Der US-Aktienindex „Dow Jones“ bricht ein und erleidet den stärksten Tagesverlust seit den Terrorattacken am 11. September 2001. Mit immensen Folgen: Die Pleite löst eine weltweite Finanz- und später Wirtschaftskrise aus – mit vielen Jobverlusten und Kurzarbeit.

Nun hat sich die Obama-Administration entschlossen, ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Sie tut dies gewohnt souverän unter Einsatz der aktuellen Möglichkeiten, die Online-Kommunikation für das storytelling zu bieten hat. Unter Whitehouse.gov/five-years-later kommen sieben Beteiligte am damaligen Geschehen zu Wort:

To mark the anniversary, we’ve asked senior staff from across the Obama administration to sit down and talk about the moments when key decisions were made — the factors they weighed, the results of the actions that President Obama took. Check out a behind-the-scenes look of the decision-making process that you won’t find anywhere else.

Für jede Person gibt es einen Abschnitt mit Porträt sowie einer Abbildung, die den jeweils adressierten Sachverhalt visualisiert. Den Kern bilden die Audio-Aufnahmen der Aussagen:

Wem diese Aufbereitung zu journalistisch ist, kann einen fünfzigseitigen Regierungsreport mit der offiziellen Darstellung herunterladen. Diese Maßnahmen als Transparenzoffensive zu feiern wäre verfehlt: Natürlich wird dem Rückblick der Regierung der intendierte spin verpasstIm Vergleich zu Online-Formaten der deutschen Bundesregierung kann man jedoch sowohl Form als auch Inhalt der digitalen Regierungskommunikation seitens der Obama-Administration positiv würdigen.

Unionslieder: Der CDU-Song

Nachdem ich mich vom SPD-Wahlkampfsong nicht ganz begeistert gezeigt habe, wird diese Einschätzung vom Titel der CDU relativiert. Dank des illustren Profils Unionslieder steht dieser auch bei SoundCloud zur Verfügung und kann mit historischen Hervorbringungen politischer Liedkunst von CDU sowie CSU aus Bund und Land verglichen werden. Präsentiert wird hier die Radio Version von „An jedem neuen Tag„. Auf der CDU-Website sind weitere Versionen als MP3-Datei verfügbar; auch der Video-Clip dort ist aussagekräftig. Verantwortlich für das Werk zeichnet der erfolgreiche Produzent und bekennende CDU-Symphatisant Leslie Mandoki („Dschinghis Khan„).

Das Wir entscheidet in 6.43.32

Nachdem die SPD bereits eine Kurzfassung ihres Wahlprogramms bei SoundCloud veröffentlicht hat, gibt es dort eine Langfassung, die ihren Namen verdient: 6 Stunden und 44 Minuten in acht Teilen. Zum Hintergrund des Projekts formuliert der Infotext:

Dieses Audioangebot wurde erstellt von der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland mit deren freundlichen Genehmigung wir es hier anbieten. Alle vorgelesenen Wahlprogramme können auch auf CD bestellt werden unter www.ebess.de oder per Mail an blindenseelsorge@ekir.de.

 

Wahlkampf-Song der SPD

Seit heute ist er im Handel erhältlich, ein Wahlkampf-Song der SPD. Premiere hatte der Titel beim Deutschlandfest der Partei, und eine Aufnahme davon ziert auch das Cover. Nach den Angaben der DirtyRedCarpets handelt ihr Lied „Zuhaus“ von einer Berliner Kreativwirtschaftsidylle. Allerdings will der biedere Deutschrock nicht so recht zu den dort angeblich ansässigen „Musik- und Werbefirmen, Internet Start-ups und Postproduktionsstudios“ passen. Garniert wird der Gesang mit Samples aus Reden der sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sowie des diesjährigen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

SPD lässt ihr Programm lesen

Nachdem die Grünen bereits eine Audio-Version ihres Wahlprogramms vorgelegt haben (als MP3 und DAISY-Hörbuch), zieht nun die SPD mit einer SoundCloud-Variante nach. Eine gelungene  Idee ist, dass diese Kurzfassung kapitelweise vom erfahrenen Vorleser Wolfgang Thierse und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoguz vorgelesen werden. Eingebunden werden die Kapitel auf den betreffenden Themenseiten zum Programm auf der SPD-Website (z.B. hier zum Thema „Arbeit“).

CDU Hessen mit Audio-Angebot

Heute haben die hessischen Christdemokraten ihre Kampagne für die Landtagswahl in Hessen vorgestellt, die zeitgleich mit der Bundestagswahl am 22. September 2013 stattfindet. Im Hinblick auf den Online-Wahlkampf fällt das Audio-Engagement auf:

Um unsere Inhalte möglichst barrierefrei anzubieten, werden wir weiter Soundcloud für Berichte und O-Töne nutzen, eine Readspeaker-Funktion auf unserer Website anbieten und bei einigen Veranstaltungen neben dem Livestream auch einen Gebärdendolmetscher anbieten.

Während die Vorlese-Funktion auf der Website recht innovativ anmutet, verzeichnet das SoundCloud-Profil bislang eher konventionelle Beiträge, die öffentliche Äußerungen vor allem des Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Volker Bouffier dokumentieren. Eine erste Abweichung davon ist der aktuellste Beitrag, in dem Bouffier seinen Facebook-Fans dankt. Mal schauen, was da noch kommt…

SPD-Wahlkampf bei SoundCloud

Der Online-Wahlkampf hat nun auch SoundCloud erreicht: Mario Henning, SPD-Bundestagskandidat im Wahlkreis 68 (Harz und Aschersleben in Sachsen-Anhalt), legt mit dem Song „Harzer Septemberwind“ ein gewagtes Werk vor. Auch wenn die kritischen Kommentare die positiven Reaktionen derzeit überwiegen, wurde der Clip innerhalb von 24 Stunden schon fast 5000 Mal gespielt! Ich würde mir als Service noch den Text sowie Angaben zur Ausführung (singt der Kandidat selbst?) wünschen.

Soundbites via SoundCloud

Die Einbindung von via SoundCloud verfügbaren Audio-Aufnahmen lässt sich jetzt noch eleganter realisieren, nämlich mit SoundCite. Dabei handelt es sich um ein Tool, mit dem sich nicht nur ganze SoundCloud-Clips, sondern auch beliebige Auszüge daraus nahtlos in einen Text integrieren lassen. So wird SoundCloud häufig genutzt, um längere Sprach-Beiträge zu dokumentieren. Mit SoundCite lassen sich daraus einschlägige Passagen (Soundbites) isolieren und die betreffende Aussage kann damit unterlegt werden.

 

Aus diesem Statement des SPD-Kanzlerkandidaten zum Hochwasser lässt sich etwa Steinbrücks Ablehnung eines Besuchs in den betroffenen Gebieten zitieren.

Und hier noch die Anleitung für die Umsetzung dieses überzeugenden online-journalistischen Formats am Beispiel einer Musikkritik.

Stimmen aus dem Weißen Haus

An diesem Wochenende hat das Weiße Haus wieder einmal den virtuosen Umgang mit seinen Online-Audio-Botschaften demonstriert. Zunächst erschien die fünfte Folge des für den Vizepräsidenten entwickelten Formats „Being Biden“. Das gleichermaßen simple wie überzeugende Konzept ist es, jeweils die Geschichte zu einem Foto zu erzählen, das Joe Biden bei seinen eher repräsentativen Amtsgeschäften zeigt. Der joviale Joe eignet sich für diese Art der Berichterstattung besonders, weil er bekanntermaßen „nah bei den Menschen“ ist – ein verbreitetes Ideal für Berufspolitiker. Auf der Website heißt es:

In this audio series Vice President Biden will tell the story behind a photo – of where he was, why it matters to him, and how the experience fits into the broader narrative of this Administration. From meetings at the White House to travels around the country, the Vice President will share his perspective in candid, behind-the-scenes snapshots. In other words, he’ll explain what it’s like “Being Biden.“

Nach eifrigem Händeschütteln, einem Besuch in der Kabine eines Frauen-Basketballteams und einem Tête-à-tête mit Hillary Clinton entstand der aktuelle Beitrag in seinem Büro. Dort traf er auf die Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus, die das Motto „Being Biden“ auf die Spitze treibt: In der TV-Serie „Veep“ spielt sie nämlich die US-Vizepräsidentin. Abweichend von den bisherigen Folgen, in denen Biden die jeweils abgebildete Situation kommentiert, übernimmt dies nun die fiktionale Politikerin.

Diesen dramaturgischen Dreh macht sich auch die zweite Sendung zu eigen. Dabei handelt es sich um die wöchentliche Ansprache von Präsident Obama zu aktuellen Themen. Die Merkels ebenfalls samstäglich erscheinendem Podcast „Die Kanzlerin direkt“ vergleichbare „Weekly Address“ wird seit einiger Zeit auch im SoundCloud-Profil des Weißen Hauses publiziert. Doch diesmal richtet sich nicht Obama an die Nation: Im Kontext seiner Kampagne zur Verschärfung der Gesetzgebung in Sachen „Schusswaffen“ lässt der Präsident die Mutter eines Opfers des Amoklaufs von Newton zu Wort kommen.

This week’s address is delivered by Francine Wheeler, whose six year old son, Ben, was murdered alongside nineteen other children and six educators in Newtown, Connecticut, four months ago. Now, Francine – joined by her husband David – is asking the American people to help prevent this type of tragedy from happening to more families like hers.

 

Die Obama-Administration wird zu Recht dafür kritisiert, mit ihren eigenen medialen Mitteln der Online-Kommunikation die Berichterstattung von Fernsehen und Presse zu umgehen. Im internationalen Vergleich muss allerdings konzediert werden, dass der Versuch, den meinungsbildenden Einfluss der Vierten Gewalt durch den Einsatz sozialer Medien zu relativieren, hier wenigstens mit interessanten Inhalten und Formaten betrieben wird.