Audio-Offensive zu Koalitionsverhandlungen

Soviel deutsche Politik wie jetzt gab es noch nicht bei SoundCloud. Verantwortlich dafür ist vor allem die SPD mit ihrem Profil. Damit dokumentiert die Partei viele Statements nach Verhandlungsrunden mit der CDU zur Bildung einer Großen Koalition im Bund. Insofern kommen nicht nur Sozialdemokraten zu Wort, sondern auch Vertreter der Union. Etwa 70 (!) Beiträge dieser Art haben sich inzwischen angesammelt und konstituieren ein einzigartiges öffentliches Audio-Archiv. Die Online-Redaktion der SPD bindet die Beträge auch in die Berichterstattung über die Koalitionsverhandlungen auf ihrer Website ein. Insofern sind die Audio-Dokumente Bestandteil der Kommunikations-Offensive mit der die Parteispitze die Basis dazu bewegen will, einem ausgehandelten Koalitionsvertrag am Ende zuzustimmen. (Die Einbindung in Online-Angebote anderer Anbieter konnte ich nicht beobachten, bin aber für betreffende Hinweise via Kommentarfunktion dankbar.)

Derweil wurden in Hessen nach der Landtagswahl noch Sondierungsgespräche geführt. Nach deren Abschluss entstand eine Phase in der die Konstellation der Regierungsbildung unklar war. Diese beendete der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel mit einem Pressestatement am 22.11.2013, in dem er die Absicht des hessischen CDU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Volker Bouffier öffentlich machte, Bündnis 90/Die Grünen ein Angebot für Koalitionsverhandlungen zu unterbreiten. Zu diesem Zeitpunkt war Schäfer-Gümbel in Berlin, um an den Koalitionsverhandlungen im Bund teilzunehmen. Diesem Umstand verdanken wir die Aufzeichnung seines Statements und dessen Publikation im SoundCloud-Profil der SPD.

Schäfer-Gümbel kam damit der CDU zuvor, die am selben Nachmittag die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen in den Parteigremien beriet. Am Abend verkündete dann Bouffier das Angebot zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen an die hessischen Grünen. Nachdem die CDU SoundCloud bereits im Landtagswahlkampf genutzt hat, liegt das Statement nun ebenfalls in diesem Audio-Format vor.

Damit fehlt nur noch das Statement des Landesvorsitzenden der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir, in dieser Angelegenheit. Dieser hat seine Affinität zur Nutzung von  Audio-Angeboten in Koalitionsfragen mit einem Tweet dokumentiert, der das Leitmotiv für eine schwarz-grüne Kooperation bereits mit der Bezugnahme auf einen Titel von Xavier Naidoo formuliert hat: „Dieser Weg wird kein leichter sein…“

Ich würde mich freuen, seine Erklärung nach dem Parteirat bei SoundCloud zu finden!

Update 23.11., 19.00 Uhr:
Bündnis 90/Die Grünen haben die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU beschlossen und eine ausführliche Darstellung des Sondierungsprozesses sowie ihrer Positionierung publiziert. Eine Audio-Version der Erklärung Al-Wazirs war nicht zu finden. Demgegenüber liegt die Reaktion von Bouffier auf den Beschluss in diesem Format vor.

Update 6.12.: „Doppelt hält besser“
Inzwischen dokumentieren beide Parteien die Pressestatements zu den Koalitionsverhandlungen im jeweils eigenen SoundCloud-Profil. Soweit ich sehe höre, handelt es sich dabei um das gleiche Material. Dies ist insofern eine interessante Entwicklung, da die schwarz-grünen Koalitionsgespräche im Vergleich zu den schwarz-roten im Bund von den Verhandlungspartnern recht restriktiv kommentiert und kommuniziert werden und Geschlossenheit demonstriert wird.  Hier der heutige Beitrag:

Das Wir entscheidet in 6.43.32

Nachdem die SPD bereits eine Kurzfassung ihres Wahlprogramms bei SoundCloud veröffentlicht hat, gibt es dort eine Langfassung, die ihren Namen verdient: 6 Stunden und 44 Minuten in acht Teilen. Zum Hintergrund des Projekts formuliert der Infotext:

Dieses Audioangebot wurde erstellt von der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland mit deren freundlichen Genehmigung wir es hier anbieten. Alle vorgelesenen Wahlprogramme können auch auf CD bestellt werden unter www.ebess.de oder per Mail an blindenseelsorge@ekir.de.

 

Wahlkampf-Song der SPD

Seit heute ist er im Handel erhältlich, ein Wahlkampf-Song der SPD. Premiere hatte der Titel beim Deutschlandfest der Partei, und eine Aufnahme davon ziert auch das Cover. Nach den Angaben der DirtyRedCarpets handelt ihr Lied „Zuhaus“ von einer Berliner Kreativwirtschaftsidylle. Allerdings will der biedere Deutschrock nicht so recht zu den dort angeblich ansässigen „Musik- und Werbefirmen, Internet Start-ups und Postproduktionsstudios“ passen. Garniert wird der Gesang mit Samples aus Reden der sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sowie des diesjährigen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

SPD lässt ihr Programm lesen

Nachdem die Grünen bereits eine Audio-Version ihres Wahlprogramms vorgelegt haben (als MP3 und DAISY-Hörbuch), zieht nun die SPD mit einer SoundCloud-Variante nach. Eine gelungene  Idee ist, dass diese Kurzfassung kapitelweise vom erfahrenen Vorleser Wolfgang Thierse und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoguz vorgelesen werden. Eingebunden werden die Kapitel auf den betreffenden Themenseiten zum Programm auf der SPD-Website (z.B. hier zum Thema „Arbeit“).

SPD-Wahlkampf bei SoundCloud

Der Online-Wahlkampf hat nun auch SoundCloud erreicht: Mario Henning, SPD-Bundestagskandidat im Wahlkreis 68 (Harz und Aschersleben in Sachsen-Anhalt), legt mit dem Song „Harzer Septemberwind“ ein gewagtes Werk vor. Auch wenn die kritischen Kommentare die positiven Reaktionen derzeit überwiegen, wurde der Clip innerhalb von 24 Stunden schon fast 5000 Mal gespielt! Ich würde mir als Service noch den Text sowie Angaben zur Ausführung (singt der Kandidat selbst?) wünschen.

Soundbites via SoundCloud

Die Einbindung von via SoundCloud verfügbaren Audio-Aufnahmen lässt sich jetzt noch eleganter realisieren, nämlich mit SoundCite. Dabei handelt es sich um ein Tool, mit dem sich nicht nur ganze SoundCloud-Clips, sondern auch beliebige Auszüge daraus nahtlos in einen Text integrieren lassen. So wird SoundCloud häufig genutzt, um längere Sprach-Beiträge zu dokumentieren. Mit SoundCite lassen sich daraus einschlägige Passagen (Soundbites) isolieren und die betreffende Aussage kann damit unterlegt werden.

 

Aus diesem Statement des SPD-Kanzlerkandidaten zum Hochwasser lässt sich etwa Steinbrücks Ablehnung eines Besuchs in den betroffenen Gebieten zitieren.

Und hier noch die Anleitung für die Umsetzung dieses überzeugenden online-journalistischen Formats am Beispiel einer Musikkritik.

Das WIR hat viele Stimmen

Nachdem ich mich zuletzt über das „Standardprogramm politischer SoundCloud-Profile“  in Deutschland beschwert habe, zeigt nun auch die SPD eine davon abweichende Anwendung. Zu ihrem Bundesparteitag in Augsburg hat sie Stimmen und visuelle Eindrücke gesammelt und mittels Storify live kuratiert. Hier der letzte Eintrag:

SPD Storify

Eine Quelle für diesen vor allem aus Tweets gespeisten Nachrichtenstrom stellen kurze Statements von Delegierten dar, die im SoundCloud-Profil der SPD publiziert und dann bei Storify integriert wurden. Hier sind die neun Beiträge zu einem Set zusammengestellt:

Das ist eine ansprechende Variante, um die Vielfalt einer Volkspartei zu dokumentieren. Auch wenn die Kür des Mottos  „Das WIR entscheidet“ unglücklich war: Es wird insgesamt der Anspruch erkennbar, das Mitmach-Motiv durchgängig zu kommunizieren.